2019

Virabhadrasana III – Im Krieger 3 eröffnet die innere Haltung des Kämpfers in Zusammenspiel mit der Neugier des Beginnenden, dem „Anfängergeist“ neue Wege des Lernens.

Ich finde, eine passende Haltung für einen Anfang.

Alles Gute im Neuen Jahr!

 

Werbeanzeigen

2018. Rückblick

Das Jahr ist beinahe zu ende und es wird Zeit für einen Rückblick.

Für ein „ein Monat – ein Bild“ fehlen mir in diesem Jahr (und nein, ich habe selbst nicht geglaubt, dass das mal passieren würde) schlichtweg die Bilder. Also in Worten.

Allgemein war dieses Jahr irgendwie „anders“; in manchen Dingen positiv, in vielen aber auch negativ…oder sagen wir besser: es fühlte sich in vielen weniger positiv an. Ich bin kein Freund davon, Dinge als durchweg negativ zu sehen oder zu bereuen, denn am Ende bringen auch die scheinbar negativen Erfahrungen eine Veränderung oder einen Schritt auf dem Weg, den es anders vielleicht nicht gegeben hätte… und wer weiß, wohin es einen geführt hätte? Vor allem: was bringt es, zu bereuen, da es ohnehin nichts mehr ändert. Auch die Gegebenheiten, auf die man gern verzichtet hätte, sind dennoch geschehen. Machen wir das Beste daraus.

Ich habe hier nun also meinen Kalender neben mir liegen und lasse Revue passieren. Der Januar begann mit einem Besuch bei der Polizei … wer jetzt eine dramatische Beichte erwartet, wird enttäuscht. Ich hatte lediglich eine Zeugenaussage abzugeben, weil ich Ende 2017 in Dachau einen Ladendieb erwischt habe (mein Jahresrückblick beginnt also mit einem Aufruf zur Zivilcourage). Schöne Momente waren die halbe Woche in Ravensburg und ein Menuettkurs.  Im Februar hat mein Kater Iven große Sorgen bereitet; Tumor-OP und Krankenpflege, mein armer tapferer Schatz. Im März der Dubreil-Tanzkurs in Ludwigsburg … Energie- und Freudelevel wieder erhöhen. dann gleich Anfang April die wunderbar frühlingshaften Tage in Mairy.   Gefolgt im Mai vom Besuch in Lauchstädt, Händel-Festspiele – eines meiner, wenn nicht DAS Jahreshighlight. Juni war ein wenig ruhig… Tanzpause wegen eines Muskelanrisses, dafür aber zwei schöne Besuche in Schleißheim, einmal ein Konzert und dann noch einmal eine Themenführung. Auch der Juli plätscherte so vor sich hin, mal abgesehen vom Packen der Umzugskisten und einer erneuten OP beim Katertier. Im August kam dann wieder etwas Farbe ins Kostümleben… ein Ausflug an den Tegernsee, gefolgt von Fulda – spannendes und ertragreiches Fotoshooting mit Grozdan und das jährliche „Rokoko-zelteln“ an der Fasanerie. Dann der Umzug hier von einem Haus in ein neues; Kraftakt und unterschätzter (Zeit)aufwand. Im September gab es einen Ausstellungsbesuch in Nürnberg und erneut ein Konzert in Schleißheim. Oktober: der Bloggerwalk im Nationalmuseum und später im Monat Marat/Sade im Residenztheater; ein Stück, das man, wenn man mit der richtigen Begleitung dort ist, sogar genießen kann. Außerdem galt es eine Wahnsinnsmenge an Äpfeln aus dem Garten zu verarbeiten. Da sind wir schon im November… Highlight Tanzworkshop Benediktbeuern. Darauf freu ich mich eigentlich die ganze zweite Jahreshälfte. Leider schließt das Jahr mit einer großen Enttäuschung im privaten Bereich. 2019, du darfst dir jetzt also bitte mal so richtig Mühe geben bitte!

Insgesamt stelle ich fest, dass ich weniger genäht habe in diesem Jahr. Ein komplettes Sommerensemble fürs späte 19te; eine Galarobe fürs 18te (mit der ich aber nicht wirklich 100% happy bin). Ansonsten nur etwas Kleinkram, Accessoires und ein wenig modernes. Ich mache seit dem Frühjahr wieder mehr Yoga (durch diverse Tanzpausen bedingt), was mir sehr taugt und was ich unbedingt beibehalten möchte (da fragt man sich dann, warum man damit mal aufgehört hat). Freunde sind geblieben , andere gegangen. Einige sind mir unerwartet näher gerückt, andere haben mich weniger positiv überrascht. Von anderen wieder mußte ich mich für immer verabschieden.

Zeit für ein Danke an diejenigen, welche mir nah sind. Ihr seid mir sehr wichtig (ich denke, ihr wißt, wenn ihr gemeint seid – Billchen, Mie, Ha.(?), Nic, JF, Tara, Kim, … Grozdan, Maria, Mme und M v Pöllnitz).

 

Rotes aus Äpfeln

Und zwar nicht aus roten Äpfeln 😉

Eine recht klassische Beigabe zu rotem Fleisch, insbesondere Wild ist ja der Klecks Preiselbeeren.  Gern auch auf Birnenscheibchen drapiert. Das ist lecker, aber eben selten eine Überraschung.  Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Apfelgelee oder Apfelmus,  beides in festlichem Rot?

Das Apfelgelee, im Schälchen auf dem Bild links,  besteht aus frisch gepresstem Apfelsaft zu zwei Dritteln und einem Drittel trockenem Rotwein, der Menge entsprechend Gelierzucker 2:1 dazu geben, Zitronensaft ebenso und mit gerebeltem frischem Salbei aufkochen.

Das Apfelmus, im Bild auf dem Löffel, bekommt seine Farbe durch eine Knolle Rote Beete, die mit den Apfelstückchen mitgekocht und mitpüriert wird. Auch hier gern mit Vanille oder Lebkuchengewürz herumexperimentieren. Und den Zitronensaft sowie etwas Zucker nicht vergessen. Die Rote Beete schmeckt man ein wenig heraus… also wer die nicht mag, nimmt besser die erste Variante.

 

Revolution des Trinkens

„Revolution des Trinkens“ war der Titel der heutigen Führung, zu der das Bayerische Nationalmuseum in das Schloß Lustheim eingeladen hat.
Also wieder einmal eine Führung zum Thema „Luxus“, denn nichts anderes waren die seit dem 17. Jh über weite Strecken aus Ostasien, dem Orient und Südamerika importierten Heißgetränke Tee, Kaffee und Schokolade und vor allem die dazu gehörigen Porzellangeschirre.
Zunächst noch als „Medizin“ u.a. wegen ihrer stimulierenden Wirkung getrunken, stieg ihre Beliebtheit rasch und wurde zu Mode und kostspieligem Vergnügen, welches dem Adel und dem gehobenen Bürgertum vorbehalten blieb.
Dies galt ebenso für die teuren Porzellangeschirre, die eine wahre Sammelwut auslösten (was ich durchaus nachvollziehen kann *hüstel).
Während man sich mit den bis dahin üblichen Metallgeschirren (Silber) an den heißen Genüssen schnell die Lippen oder Finger verbrannte, leitete Porzellan die Wärme wesentlich schlechter und war neben der Geschmacksneutralität fast ein unabdingbares Accessoire zum gemeinsamen „Tee-a-Tête“.
So etablierten sich mit den neuen Trinkgewohnheiten auch neue Gefäßformen, die bis heute aktuell sind.
Zunächst einmal war aber die Porzellanproduktion ein chinesisches Monopol. In Europa gänzlich unbekannt, mußte jedes Koppchen und jeder Teller den weiten Weg hinter sich bringen und löste eine Welle von Chinoiserie-Liebhaberei aus, die sich nicht nur auf die Tafel beschränkte, sondern auch Wandgestaltungen, Möbel uvm beeinflußte.
Da aber eigentlich niemand der Endverbraucher dieser Importe eine auf Realität beruhende Vorstellung der fernen Länder hatte, wurden diese schnell idealisiert und man empfand China als „Paradies auf Erden“, in dem den ganzen Tag dekorativ in Teepavillions sitzend Tee getrunken wurde und man sich Luft zufächeln ließ – genau das zeigten ja die Malereien auf den Geschirren.
Wunderbar, nicht wahr?
Schokoladebecher mit Chinoiserie-Dekor (Detail), Bemalung wohl von Johann Gregorius Höroldt, Meißen, um 1725. Foto: © Bayerisches Nationalmuseum München
 
 
Auguste der Starke war es nun, dessen Liebe zu den feinen Scherben ihn handeln ließ. Er wollte die Porzellanproduktion zu sich holen und vorantreiben. Dem Alchemisten Böttger war es ja gelungen, quasi als Nebenprodukt seiner „Goldproduktion“, die ja etwas weniger erfolgreich war, hinter das Geheimnis zu kommen. Die Zusammenarbeit mit dem Apotheker Tschirnhaus brachte den Durchbruch und Meißen wurde das erste Zentrum der Porzellanherstellung in Europa.
Was da aus Feldspat, Quarz und Kaolin entstand, war noch ein roter Scherben. Fein in der Struktur, hochfest gebrannt, aber eben (noch) nicht weiß.
Böttgerporzellan,
frühe Geschirre aus Meißen um 1710
 
 
Allerdings konnte dieses weiß glasiert werden und entsprach so schon eher dem gewollten optischen Ergebnis.
Die Verzierungen wurden von Hand modelliert und weiß oder farbig glasiert aufgelegt und erneut gebrannt.
Noch verbanden sich die Farben mit dieser Methodik schlecht oder waren empfindlich und wenig haltbar und erbrachten nicht die brillianten Ergebnisse.
Kanne, Meißen zwischen 1710 und 1720

Die Erfindung der Aufglasurfarben brachte bessere Ergebnisse, wirklich zufriedenstellend waren dann aber erst die Unterglasuren.
Auch war es nicht von Anfang an möglich, die gesamte Farbpalette zu produzieren. Vieles hing hier von der Brenntemperatur ab und musste in zahllosen Versuchen herausgefunden werden. Die erste Farbe war hierbei ein Eisenrot. Blau bspw war extrem schwierig.

Neue und vor allem finanziellen Erfolg versprechende Erfindungen sprechen sich schnell herum und finden schnell Nachahmer. Das war auch im 18. Jh nicht anders. Zwischenzeitlich gab es eine zweite Manufaktur in Wien. Dorthin floh der bis dahin in Meißen inhaftierte Böttger mit all seinem Knowhow.  Aber hier sollte er nicht bleiben … kurz: er ging zurück nach Meißen und brachte seinen Wiener Kollegen Johann Gregorius Höroldt mit. Denn Wien hatte einen entscheidenden Schritt voraus gemacht: ihnen gelang es, haltbare Porzellanfarben für die Unterglasur zu fertigen (reines Glück übrigens… die Wiener hatten schlichtweg besseres Wasser dafür!)
Und auch Höroldt war ein Glücksgriff. Er fertigte nicht nur die beliebten ostasiatischen Motive an, sondern erweiterte den Kanon um europäische Motive. Typische Höroldt-Motive, wie sie auch in der Lustheimer Sammlung zu sehen sind, sind Allegorien der Liebe, kleine Frivolitäten und Alltagsszenen.
Anmerkung am Rande: auch das allseits bekannte Zwiebelmuster (typisch deutsch?? haha, von wegen) ist eigentlich keine Zwiebel, sondern ein asiatisches Motiv. Allerdings kannte man es nicht und interpretierte deshalb die Zwiebel hinein.


typisches Höroldt-Dekor um 1723

Zur Verbreitung der Dekore, sowohl europäische als auch abgezeichnete Originale aus Asien, wurden die Entwürfe in Musterbücher zusammengefasst.
Für Höroldt-Dekore ist dies bspw der Schulz-Codex.


Auch populäre Motive wie hier von Watteau fanden so Verbreitung auf Porzellan.

Dekore auf dem Geschirr wurden in den ersten Jahrzehnten des 18. Jhs bis 1750 etwa in Medaillons gemalt (siehe 2x oben und folgendes Bild); später dann aber auch wieder plastisch oder flächig gestaltet.

Zu einem Teegeschirr gehörten die Koppchen (kleine Schalen bzw Becher) mit Untertasse, die Teedose (beides Abb. oben), die Zuckerdose, die Kanne für Tee und/oder heißes Wasser und die Kumme zum reinigen der Teeschalen (eine Kumme ist auf der ersten Abbildung ganz oben zu sehen – die größere Schale auf dem Tisch).Während der Ausguß für die bauchigen Teekannen im unteren Bereich ansetzte (Tee und Kaffee wurden direkt in der Kanne zubereitet und die Teeblätter schwammen darin dann oben – so zumindest die genannte Begründung; erscheint zunächst gut, aber ich muss sagen, dass die Teeblätter in meinen Kannen schon auch auf den Boden sinken), setzte dieser bei Kaffee- oder Kannen für heißes Wasser weiter oben an (Kaffeegrund sinkt nach unten). Letztere lassen sich daher schwerer oder mitunter gar nicht voneinander unterscheiden.

An dieser Stelle (es gab noch einige Ausführungen zur heißen Schokolade, die mir aber jetzt hier den Rahmen sprengen würden) endete unser Rundgang durch die Lustheimer Sammlung. Leider nicht nach, wie ausgeschrieben, zwei Stunden  sondern bereits nach einer (also ich hätt schon gern noch mehr…).
Die mit über 2000 Exponaten umfangreichste Sammlung Meißner Porzellans fast ausschließlich aus dem 18. Jh  außerhalb Meißens übrigens.Ich habe immer ein wenig den Eindruck, dass dieses überaus charmante kleine Jagdschloß am anderen Ende des Kanals vis a vis  zum Neuen Schloß Schleißheim ein wenig vergessen wird. Viele Spaziergänger drehen hier um und kehren dann zum großen Haus zurück, dabei ist das schade. Ein Besuch lohnt sich allemal und vor allem, wenn man so bekennend teegeschirr-affin ist, wie ich es bin.